Tagesausflüge in Duisburg mit der Familie
7. Juli 2022
 
 
 
 
 

Unterwegs auf der

Nordschleife der Duisburger 8

Niederrhein : Beliebte Radrunde

Sonniger Start in die Radsaison oder wie abwechslungsreich kann eine Radtour sein?



Ich gebe es zu: Im Winter bleibt mein Rad im Keller stehen. Erst wenn die Außentemperaturen ein moderates Niveau erreicht haben, schwinge ich mich auf den Sattel. Heute mache ich eine Ausnahme und möchte euch bei strahlendem Sonnenschein auf meine erste Tour der Saison mitnehmen. Die Duisburger 8 zählt zu meinen absoluten Lieblingsradtouren in Duisburg. Ich bin noch absolut untrainiert und das Handy zeigt am Morgen eine Außentemperatur von gerade einmal vier Grad an - ich hoffe also auf viele wärmende Sonnenstrahlen. Also schnell die dicksten Klamotten herausgesucht und rauf aufs Rad.

Kurz als Einstieg ein paar Rahmendaten zur Tour: Die Duisburger 8 besteht aus einer Nord- und einer Südschleife, abgegrenzt durch die Ruhr. Die Nordschleife, um die es bei diesem Beitrag gehen soll, führt auf etwa 45 km links und rechts des Rheins durch den Duisburger Norden in all seinen Facetten. Ausgeschildert ist die Route nicht, sie verläuft jedoch fast komplett auf gut befahrbaren Wegen über das Radverkehrsnetz, ist also auch für Gravel-Bikes geeignet. Ich empfehle die Nutzung einer Navigationsapp, z. B. von Komoot oder Outdooractive. Ihr findet die Tour in den jeweiligen Portalen unter den am Ende des Artikels angegebenen Links. Ich mag keine teuren Smartphones am Fahrradlenker und habe mir deshalb einfach den GPX-Track auf mein uraltes und unkaputtbares Garmin-Navi geladen. Entlang der Tour gibt es natürlich den ein oder anderen Biergarten - so früh im Jahr sind sie allerdings noch geschlossen. Aber keine Sorge, ich gebe euch im Beitrag natürlich trotzdem alle wichtigen Tipps für eine zünftige Einkehr.


 
Info

Schwierigkeit

Strecke

Dauer



45 km

3:16 h


Start am Landschaftspark Duisburg-Nord

Perfekt für den Einstieg in die Nordschleife der Duisburger 8 ist der verkehrsgünstig am Autobahnkreuz A59 und A42 gelegene Landschaftspark Duisburg-Nord Hier findet ihr zahlreiche kostenlose Parkplätze. Weiterhin ist der Park auch gut vom Duisburger Hauptbahnhof aus mit der Straßenbahn 903 erreichbar. Die Tour führt euch nicht direkt durch den Landschaftspark, sondern unmittelbar an ihm vorbei. Deshalb empfehle ich euch wärmstens, entweder direkt zu Beginn oder am Ende der Tour eine Runde durch den Park zu drehen. Für die Sportlichen unter euch bietet sich der Anstieg zum sogenannten Monte Schlacko an. Die Auffahrt befindet sich am Sinterplatz hinter dem Klarwasserkanal. Zur besseren Orientierung gibt es hier einen Übersichtsplan. Oben angekommen habt ihr eine tolle Aussicht auf die Hochöfen und die vorgelagerten Möllerbunker. Heute möchte ich aber erst einmal meine Kräfte schonen.

Als einen der schönsten Parks der Welt, hat die britische Tageszeitung „The Guardian“ den Landschaftspark einmal bezeichnet. Zu Recht, denn das gigantische Areal der ehemaligen Eisenhütte fasziniert nicht umsonst etwa 1 Mio. Besucher pro Jahr. Die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten sind das besondere Merkmal des Parks. Wo sonst kann man im Industriekultur-Ambiente Klettern, Tauchen, Kulturveranstaltungen erleben oder einen Hochofen erklimmen? Dank seiner unzähligen Fotospots ist der Park auch bei Fotograf*innen beliebt und bekannt. Ab Einbruch der Dämmerung taucht eine Lichtinstallation die Industrieanlagen in eine faszinierende Farbwelt - absolut sehenswert.

Durch Meiderich am MSV vorbei

Ich verlasse das Areal des Landschaftsparks. Zunächst führt mich die Tour schnurgerade über ein kurzes Stück des Grünen Pfad - einer ehemaligen Bahntrasse von Sterkrade nach Ruhrort - doch schon bald biege ich links ab und es geht mitten durch den Duisburger Stadtteil Meiderich. Unterwegs stoppen mich ein paar Ampeln, die Streckenführung verläuft allerdings über ruhige Nebenstraßen durch dicht besiedelte Wohngebiete und schließlich durch die Meidericher Fußgängerzone, die allerdings für Radfahrer freigegeben ist. Wenig später erreiche ich das Trainingsgelände des Meidericher Spielvereins, besser bekannt als MSV Duisburg. Die weiß-blauen „Zebras“ sind Gründungsmitglied der Fußball Bundesliga und tragen ihre Heimspiele allerdings im Stadtteil Wedau in der schauinsland-reisen-Arena aus. Sportlich läuft es für die Zebras seit einigen Jahren leider nicht so optimal, die große Fanschar hält den Meiderichern aber auch in der dritten Bundesliga die Treue. In unmittelbarer Nähe befinde sich die Ratingsee-Siedlung. Im Vorbeifahren fallen euch die Häuser aus den 1920er Jahren mit ihren Ziegelfassaden und der nüchternen Gestaltung ganz bestimmt auf. Schon bald treffe ich auf den Rhein-Herne-Kanal.

Sportlich läuft es für die Zebras seit einigen Jahren leider nicht so optimal, die große Fanschar hält den Meiderichern aber auch in der dritten Bundesliga die Treue. In unmittelbarer Nähe befinde sich die Ratingsee-Siedlung. Im Vorbeifahren fallen euch die Häuser aus den 1920er Jahren mit ihren Ziegelfassaden und der nüchternen Gestaltung ganz bestimmt auf. Schon bald treffe ich auf den Rhein-Herne-Kanal.

Hafenatmosphäre schnuppern

Ab hier führt mich die Duisburg 8 für eine ganze Weile fast immer am Wasser entlang. Der Rhein-Herne-Kanal besitzt eine Wasserverbindung zur Ruhr und mündet an der Meidericher Schleuse in den Duisburger Hafen, während die Ruhr parallel zu den vielen Hafenbecken in den Rhein fließt. Auf den Kanälen herrscht gerade vor der großen Schleuse ein reger Schiffsverkehr und mein Weg führt mich nun mitten durch das System aus Hafenbecken, Schleusen und Kanälen. Gewaltig ist auch das Ruhrstauwehr, das ich überquere. Dann geht es über die vielen Brücken des Karl-Lehr-Brückenzuges zum Hafenstadtteil Ruhrort. Derzeit wird im Rahmen einer großen Baumaßnahme ein Teil des Brückenzuges erneuert, weshalb ihr unbedingt auf die aktuelle Beschilderung achten solltet. Je nach Fortgang der Baumaßnahmen wird die Tour bei Komoot und Outdooractive angepasst.

Maritimes Flair im Hafenstadtteil Ruhrort

Fast komplett von Wasser umschlossen ist Duisburg-Ruhrort. Den Hafenstadtteil zu beschreiben wäre sicherlich schon einen eigenständigen längeren Blogbeitrag wert. Lasst einfach das maritime Flair des Stadtteils auf euch wirken. Unterwegs könnt ihr zahlreiche Spots von der Horst-Schimanski-Gasse über Hafenkneipen, Museumsschiffe, bis hin großen und kleinen Kunstwerken im öffentlichen Raum entdecken. Falls ihr etwas Zeit habt, macht ihr eine Hafenrundfahrt durch den größten Binnenhafen der Welt. Besonders beliebt ist ebenfalls die Mühlenweide mit ihrem imposanten Fahnenmast und dem großen Biergarten mit Blick auf den Rhein. Alles zum Thema Binnenschifffahrt erfahrt ihr im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt unweit der Mühlenweide. Das Besondere dabei: Das Museum ist in einem ehemaligen Jugendstil-Schwimmbad untergebracht.

 
 

Niederrheinische Landpartie mit Industrieblick

Ich fahre zwischen den markanten Brückentürmen der Friederich-Ebert-Brücke hindurch und überquere den Rhein. Es lohnt sich, in der Mitte der Brücke eine kurze Pause einzulegen und den Blick rheinabwärts schweifen zu lassen. Von der Brücke aus habt ihr eine tolle Sicht auf den Gegensatz von zahlreichen Industrieanlagen auf der rechten Rheinseite und der ländlichen linke Rheinseite.

Da will ich nun hin und die Route wird nach einem kurzen Abschnitt entlang einer Hauptverkehrsstraße nun tatsächlich deutlich ländlicher. Zunächst fahre ich relativ nah am Rhein entlang auf dem Deich mit Blick auf die grünen Rheinwiesen und die dahinter liegenden Industrieanlagen. Schade, dass so früh im Jahr noch keine Rheinschafe auf den Wiesen unterwegs sind. Mit etwas Glück kann es euch passieren, dass eine blökende Schafherde auf dem Weg unterwegs ist – ein immer wieder schönes Erlebnis. Schon bald erscheint im Hintergrund die Rheinbrücke der A 42, doch kurz bevor ich das riesige Bauwerk erreiche, mache ich einen kleinen Schlenker in Richtung Halde Rheinpreußen und Baerler Busch. Die Halde Rheinpreußen liegt auf dem Gebiet der Stadt Moers fast genau auf der Grenze zu Duisburg und gehört mit einer Höhe von 103 Metern zu den höchsten Halden in der näheren Umgebung. Hoch oben auf der Halde thront die Skulptur „Geleucht“ von Otto Piene - ein sehr beliebtes Fotomotiv. Weiterhin habe ihr vom Gipfel einen tollen Blick auf den Rhein und die Industriekulisse des Ruhrgebiets. Wie schon im Landschaftspark schone ich bei meiner ersten Radtour des Jahres meine Kräfte und belasse es heute bei einem Foto aus der Entfernung. Ansonsten lohnt sich ein Aufstieg aber immer. Ihr habt dabei zwei Möglichkeiten: Entweder folgt ihr der Hauptstraße durch das Gewerbegebiet und nutzt die breite Hauptzufahrt oder ihr fahrt über den serpentinenartigen Fußweg, der nördlich der Halde im Baerler Busch beginnt.

Genau dort hinein führt mich nun die Route, entlang des kleinen Waldsees, an dessen Ufer sich im Sommer die Leute tummeln. Ich überquere nun die Autobahn 42 und lande kurze Zeit später im Stadtteil Baerl, einem typischen Dorf mit alten Bauernhöfen, ruhigen Wohngebieten, einer alten Kirche sowie einer Windmühle mit Landbäckerei.

Direkt hinter dem Dorf fängt der meiner Meinung nach schönste und idyllische Teil der Tour an. Ich fahre mal auf dem Deich mal durch die Rheinwiesen in einer einmaligen Kulisse aus Alleen, Wiesen und schnatternden Wildgänsen. Der Blick schweift dabei immer wieder über den Rhein auf die gewaltigen Industrieanlagen des Duisburger Nordens. Zu schaffen macht mir nun leider auf dieser offenen Fläche der starke Wind. Schnell werden die Tretbewegungen unrund - ich brauche dringend eine Pause. Wie gerufen kommt da die alte NATO-Rampe an der Woltershofer Straße. Einen entsprechenden Wasserstand vorausgesetzt, steht ihr gefühlt mitten im Rhein und habt einen ziemlich spektakulären Blick über den Rhein auf den Alsumer Berg und die Kokerei Schwelgern.

Weiter geht es dann durch Felder und Wiesen entlang des kleinen Dorfes Binsheim in Richtung des malerischen Städtchens Orsoy, das zur Stadt Rheinberg gehört. Der historische Stadtkern ist umgeben von Resten einer Festungsanlage. Es lohnt sich definitiv den beliebten Ausflugsort zu erkunden und sich in einem der Cafés oder einer der Eisdielen zu stärken, bevor es mit der Fähre wieder zurück auf die andere Rheinseite geht.

Mit der Fähre über den Rhein

Als eine der wenigen verbliebenen Rheinfähren in der Region pendelt die kleine Fähre zwischen Walsum und Orsoy. Vor allem bei Radlern ist die Passage beliebt. Es ist immer wieder spannend, wie sich das Boot elegant durch den teilweise dichten Schiffsverkehr auf dem Rhein schlängelt. Beachtet bitte bei eurer Tourenplanung die Fährzeiten, besonders wenn ihr zu Randzeiten unterwegs seid. In Walsum angekommen, geht es für nun für mich am kaum zu übersehenden Kraftwerk vorbei in Richtung HOAG-Trasse. Unterwegs sticht das riesige Firmengelände von Sinalco ins Auge. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Brauhaus Urfels mit angeschlossenem großen Biergarten. Falls ihr Zeit habt, empfehle ich euch vorher eine kleine Schleife durch das Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum. Dort könnt Ihr mit etwas Glück Störche und zahlreiche seltene Vogelarten beobachten. Da die historische Hubbrücke als Verbindung zur Fähre derzeit gesperrt ist, müsst ihr jedoch leider einen kleinen Umweg über die Römerstraße fahren.

HOAG-Trasse und Revierpark Mattlerbusch

Etwas unscheinbar beginnt die HOAG-Trasse, eine ehemalige Güterverkehrsstrecke von Duisburg nach Oberhausen, am Walsumer Südhafen. Ganz entspannt radele ich aber nun auf dem Bahndamm mitten durch die Stadtteile Aldenrade und Wehofen, wo ich die Trasse leider schon wieder verlasse und nach Süden zum Revierpark Mattlerbusch fahre. Dort findet ihr neben schönen Parkanlagen und einer Therme ebenfalls einen großen Biergarten.

Ein Stück Ruhrgebiet

Nach einem kleinen Abstecher durch Grünanlagen folgt nun entlang der Kleinen Emscher der ehrlicherweise unattraktivste Abschnitt der Tour. Die Wege sind zwar sehr gut ausgebaut, doch es gilt dabei zahlreiche Straßen zu kreuzen. Hier ist Vorsicht geboten! Zum Glück biege ich nach einer Weile rechts in die Siedlung Bergmannsplatz ab und erlebe ein echtes Stück Ruhrgebiet. Enge Straßen, schmale Zechenhäuser, am Bergmannsplatz dann ein Hochbunker und ein Büdchen. Herrlich! Eigentlich müsste ich mir nun als Zwischenbelohnung an der Bude ein Köpi kaufen, doch es muss erstmal ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche reichen. Nach einem kleinen Abstecher durch die Neumühler Fußgängerzone treffe ich schon bald wieder auf den Grünen Pfad.

 

Kunst am Grünen Pfad

Der Grüne Pfad führt mich nun schnurgerade zurück zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Kurz nach der Unterführung der A42 dann ein etwas merkwürdiges Bild am Wegesrand. Zahlreiche Gebäude in Miniaturform machen mich neugierig. Es handelt sich dabei um das Projekt „Neustadt“, ein Bestandteil des Emscherkunstweg. In der Neustadt formen 23 Skulpturen von bereits abgerissenen Gebäuden des Ruhrgebiets ein eindrucksvolles Gesamtbild.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Landschaftspark. In der Ferne sind schon die Hochöfen und Kamine zu sehen und auch meine Kräfte in den Beinen schwinden so langsam. Wie schön, dass im Landschaftspark neben der Gastronomie im Hauptschalthaus immer wieder wechselnde Foodtrucks am Start sind.

Fazit

Auf der Nordschleife der Duisburg 8 erlebt ihr eine ziemlich hohe Schlagzahl an unterschiedlichen Erlebnissen - und das auf einer überschaubaren Distanz von 45 km. Wenn man einigermaßen flott unterwegs ist, bleibt also noch genug Zeit, an dem ein oder anderen Spot anzuhalten oder sich ein motivationssteigerndes Kaltgetränk entlang der Strecke zu genehmigen. Flott unterwegs war ich allerdings nur im ersten Drittel der Tour, dann wurde es zum Ende hin doch etwas zäh. Hinterher ist man dann aber angesichts der vielen Eindrücke und Sonnenstrahlen dann doch wieder glücklich. Und vielleicht bleibt im nächsten Winter mein Rad dann doch nicht im Keller.

 
Während meines Geographiestudiums an der Uni Münster war das Ruhrgebiet wichtiges Ziel zahlreicher Exkursionen zum Thema Strukturwandel. Schon damals haben mich die faszinierenden Industriekultur-Spots wie der Landschaftspark Duisburg-Nord oder der Innenhafen direkt begeistert. Seit 2009 bin ich im Tourismusmarketing tätig und 2016 führte mich der Weg schließlich ins Ruhrgebiet zu Duisburg Tourismus, wo ich unter anderem die Themenfelder Marketing und Aktivtourismus bearbeite. Wenn ich mich nicht gerade um das Wohlergehen der Katzen daheim kümmere, bin ich gerne mit dem Mountainbike und der Fotokamera unterwegs. Als Musikenthusiast liegen mir laute Livekonzerte sehr am Herzen und manchmal gebe ich zu einfach viel Geld für Schallplatten und Hifi-Equipment aus.